
SONUS LOCI I Überschreibungen der Zeit / Rewriting Time
Mi. 09/09/2009, 20h > Martinskirche (Römerstraße / Martinsgasse)
Wie durch Schichten der Zeit klingt die Musik aus der Vergangenheit herüber, und ebenso gibt das Bauwerk eine Ahnung von vergangenen Epochen: fernes Mittelalter, das bis ins Heute durchscheint. Ähnlich einem Palimpsest liegt hinter jeder Schicht eine noch ältere Grund- und Unterlage für weitere Überschreibungen.
DUO RECORDRONIK: Petra Wurz, Elisabeth Haselberger (Blockflöten) / Klaus Hollinetz (Electronics)
Die Martinskirche, vielleicht die älteste Kirche Österreichs, gilt als ein spirituelles Herzstück der Stadt Linz. Ein Herz, durch das die Ströme der Zeit fließen, ein altes Herz, das immer wieder neu gefunden und mit pulsierendem Leben beseelt und erfüllt wurde.
Ihre Mauern stehen auf den Resten immer noch älterer Mauern, ein purer Ort als Zentrum, immer wieder neu umbauter Raum; Grundrisse verändern sich, oft bis zur Unkenntlichkeit.
Aber das Bild des Vergessens ist auch ein Bild der Erneuerung: so arbeitet die folgende Generation mit den Resten der alten als Baustoff für Neues.
Mauern bröckeln ab, werden abgeschliffen von der Erosion der Zeiten, in ihren Sprünge wachsen junge Pflanzen mit Wurzeln, verästelt bis die feinsten Ritzen.
Was verbirgt sich in und hinter den Mauern, die auf den Trümmern - Splittern, Gedankenresten, Windverwehtem - neu erstehen?
Vögel nisten sich in den Löchern ein, die dabei entstehen und ihr unbeteiligter Gesang scheint den Geist des Ortes als Klang immer weiter zu tragen, bis durch alle Zeiten hindurch.
So folgt die Musik auf ihrer eigenen Weise diesen Spuren - manche führen in die Irre, manche legen ihre eigene Geschichte bloß; Ebenen in der Zeitenfolge, Plateaus von zerbrechlicher Stabilität.
Wie durch Schichten der Zeit klingt es aus der Vergangenheit herüber, und ebenso gibt das Bauwerk eine Ahnung von vergangenen Epochen: fernes Mittelalter, das bis ins Heute durchscheint. Ähnlich einem Palimpsest liegt hinter jeder Schicht eine noch ältere Grund- und Unterlage für weitere Überschreibungen
Die beiden hier als Ausgangsbasis, Hintergrund und Vordergrund verwendeten Stücke spätmittelalterlicher- und Renaissancemusik sind auch ein Teil der Geschichte des Duos Recordronik - diese Stücke gehörten zu den frühesten gemeinsamen Aufführungsprogrammen des Blockflötenduos. Die beiden Musikerinnen, die auch eine Zeit gemeinsam in Linz studierten, begannen damit ihren weiten Ausflug zwischen die Zeiten, von alter Musik bis zu ganz avancierten zeitgenössischen, oft eigens für das Duo komponierten Stücken. Das war mit ein Grund, das Duo mit diesen beiden Werke hier in diese Arbeit in einer neuen Weise einzubinden.
Das sehr alte Instrument Blockflöte ist heute in alter und ganz neuer Musik mehr beheimatet, als in klassischer Musik, und steht hier für diese Überbrückung der Zeit.
"Überschreibungen der Zeit" verwendet auch in den elektronischen Klängen bis auf ganz wenige Ausnahmen nur eine Aufnahme der beiden Stücke als Klangmaterial, die mit verschiedenen Computermusiktechniken bearbeitet und in eine neue Form gebracht wurde.
Eine neue Form? Ist es nicht doch wieder nur ein neues Bauwerk, das aufgebaut wurde um einer Idee, einem Zusammenhalt, der schon immer zu bestehen scheint, ein neues Gebäude zu geben?
Klaus Hollinetz - SONUS LOCI I - Überschreibungen der Zeit / Rewriting Time
mit Einschluss der Werke
John Baldwine "A Duo" ( um 1600, bearbeitet von Duo Recordronic und Klaus Hollinetz)
und
Bartolino da Padua "Qualle lece muove" (vor 1400)
Dauer des Konzerts ca. 50 Minuten
DUO RECORDRONIK: Petra Wurz, Elisabeth Haselberger (Blockflöten)
Klaus Hollinetz (Electronics)
http://www.recordronik.at/
nächstes Konzert:
SONUS LOCI II Ordnung des Imaginären / Order Of The Imaginary
Mi. 16/09/2009, 20h > Kirche St. Theresia (Losensteinerstraße 6)
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